Agia Triada - Chania - Kournas See
Eine Vogelart, der wir bisher noch nicht begegnet waren,
erwartete uns am Eingang von Knossos.
Einige dieser Exemplare laufen frei auf dem Gelände herum.
Nach dem Besuch eines Teppichhandels kamen wir gegen Mittag hier an. Es wurde
Zeit für eine Mittagspause vereinbart.
Ein Lokal (The Little Garden) direkt am Eingang des Palastgeländes
von Knossos bot sich für einen kurzen Snack an.
Also nix wie rein - ohne vorher auf die Karte zu schauen. Das war ein Fehler!
Denn nach einem Glas Wein und zwei Teller Suppe waren wir 20 Euro los.
Wir hätten einfach vorher die Einträge und Rezitationen über
dieses Lokal im Internet lesen sollen,
wo
vor einem Besuch desselben strikt abgeraten wird.
Gut - passiert halt mal - Schwamm drüber.
Dann wartete auch schon Christina, um mit der Führung zu beginnen.
Das ist das Gelände von Knossos, wir kommen bei "1" rein ud
gehen etwa den rot eingezeichneten Weg.
Wer die historischen Stätten Kleinasiens kennt, ist
erst einmal überrascht, dass hier alles flacher ausfällt.
Na ja, ist ja auch ca. 2000 Jahre älter. Wir befinden uns hier im Westhof.
Über den Prozessionskorridor gelangen wir zum Südeingang.
Und hier ist unser wandelndes Lexikon voll in Aktion. Das
ist Christina, die immer alle Fakten sehr gut
rüberbrachte und die keine Frage unbeantwortet ließ. Applaus, Applaus,
Applaus...!
Südeingang
Die Mauern und Säulen sind alles Rekonstruktionen. Hätte
Evans, der Knossos ausgegraben hat, hier nicht an wichtigen Punkten
die Gebäude teilweise wieder aufgebaut, dann könnte man sich kaum
vorstellen, wie das hier vor 4,5 Kilojahren
möglicherweise ausgesehen hat. Der Unterschied zu den Originalbauten besteht
vor allem darin, dass damals
viel mit Holz gebaut worden war, wegen der Beständigkeit gegen Erdbeben,
die hier immer wieder mal
auftreten. Der um 1900 v.Chr. errichtete erste Palast wurde bereits zwei Jhd.
später durch ein Erdbeben zerstört.
Auch der darauf neu gebaute, größere und schönere Palast wurde
um 1450 v.Chr. erneut zerstört. Er hatte bis zu
fünf Stockwerke und umfasste mehr als 1000 Wohn- und Kulträume sowie
Werkstätten. Angeblich sollen
rund 100000 Menschen dort gelebt haben. Nach einem Großbrand im 14. Jhd.
v.Chr. wurde
der Ort aufgegeben.
Propyläum des Südeingangs
In diesen riesen Tongefäßen, genannt Pithoi, wurden Öl, Honig
und andere Flüssigkeiten aufbewahrt.
Über diesen Vorraum gelangt man zum Thronsaal mit dem ältesten Thron Europas.
Nordeingang
Zentrales Treppenhaus
Königin-Megaron
Das Königsmegaron (Megaron = ein Raum, dem eine Säulenhalle vorgelagert ist)
Auch hier gibt es ums Eck Vorratsräume mit gewaltigen Pithoi.
Ein weiteres Treppenhaus
An das Theater schließt nach Westen die Königsstraße an.
Nach der Tageshitze und der groben Aräologie schauen
wir uns nun die feineren Sachen an,
die man überall auf der Insel bei Ausgrabungen entdeckt hat.
Manchmal erlebt man kuriose Dinge. So wollte man beim Besuch der Palastanlage
von Knossos unsere Ausweise oder Reisepässe haben.
Im kleinen Museum von Elefteherna war Fotografieren nicht erlaubt.
Gut, andere Länder andere Sitten.
So machten wir uns auch hier darauf gefasst, dass es sich wohl ähnlich
verhalten würde.
Denkste!
Kein Ausweis, keine Untersuchung auf Metallgegenstände
(obwohl da ein Durchgang wie am Flughafen stand) und kein
Problem mit dem Fotografieren mit wenigen Ausnahmen. Also nix wie rein.
Die schauen so richtig treuherzig
Unter den unzähligen Exponaten, wir hatten gar nicht
die Zeit die Erklärungen dazu durchzulesen, gibt es einige
vor herausragender Bedeutung.
Goldschmuck, wie man ihn als Verzierung der Kleidung trug.
Schmuckanhänger aus dem Palast von Malia - Bienen bringen Nektar in
die Wabe ein
Immer wieder überraschen die Feinheit und das Können mit der die
Kunstgegenstände in der Zeit um 2000 v.Chr. angefertigt wurden.
Die Scheibe von Phaistos - bis heute noch nicht entschlüsselt
Diese Doppeläxte wurden bei Prozessionen als Kultgegenstände benutzt.
Sie sind übermannsgroß.
Cosmeticartikel sahen damals ein wenig anders aus wie heute.
Rasierer, Bronzespiegel, Pinzetten und Kämme
Eine antike Weinpresse.
Die feiern wohl "Kretischer Abend" mit Sirtaki
Das gab es damals auch bereits: Souflaki-Grill mit Grillbesteck und Dipp-Schalen
Den Stierspringer aus Elfenbein hat man in Knossos gefunden.
Die Damen trugen auch damals schon recht aufwendige Frisuren.
Mutter und Tochter - Schlangengöttinen
So etwas trägt Frau heute auch noch.
Sowas eher weniger.
So sah die "letzte Wohnung" damals aus. Die Menschen
wurden in Embrionalhaltung beerdigt - platzsparend.
Erstaunlich ist aber, dass man in der Lage war, solch große Sarkophage
und andere Behälter aus Ton herzustellen.
Die Brennöfen müssen gigantisch gewesen sein.
Im Auftrag des Generals Francesco Morosini wurde der Brunnen
auf der Platia Liontarion (Löwenplatz) im Jahr 1628 zur
kommunalen Wasserversorgung der Bevölkerung erbaut. Die Wertschätzung
der Venezianer für die grieschische Mythologie
spiegelt sich in den Reliefs der Brunnenbecken wider. Leider gibt es die krönende
Figur des Gottes Poseidon heute nicht mehr.
Dafür lassen sich auf dem Brunnenrand gerne Passanten und Tauben nieder.
Den letzteren ist das Betreten des ganzen Brunnens gestattet, ersteren
dagegen nicht.
Ein ausgeklügeltes Aquäduktsystem schaffte pro
Tag mehrere tausend Liter Trinkwasser von den
Quellen aus der ca. 10km entfernten Umgebung von Archanes heran.
Wir machen uns auf den Weg zum Hafen. Dabei kann man beim
Blick nach oben die eine
oder andere Beobachtung machen. Ganz edel ist machnmal ganz nah an "war
mal edel" dran.
Und das sieht man oft gar nicht auf den ersten Blick.
"Lost Place"
Ein Stück weiter tauchen wir erneut in die Sitten und
Gebräuche von Kreta oder vielleicht ganz Griechenlands ein.
Wir besuchen die orthodoxe Hauptkirche Agios Titos, die am Weg liegt.
Wenn nicht die Kuppel die Fassade etwas überragen würde, kämen
wir nicht auf die Idee, dass sich
darhinter eine Kathedrale befindet.
In der Kirche ist es erstaunlich hell, und durch die bunten
Glasfenster malt das Sonnenlicht schöne Farbmuster
auf die Wände. Die Ausstattung ist reicher als in manch anderen Kirchen,
das Gebäude ist auch größer.
Die zahlreichen Stuhlreihen bieten mehr Besuchern Platz.
Achten Sie jetzt einmal auf die Dame in Schwarz. Die tut
etwas, was wir bislang noch nicht wussten.
Ich erzähl's gleich.
Hier bin ich wieder bei der Dame in Schwarz.
Sie war ziemlich im Stress mit dem Auspacken und Aufstellen
diverser Gegenstände.
Meine Neugierde kannte keine Grenzen und so fragte ich sie,
worauf das Ganze hier denn wohl hinauslaufe.
"We are celebrating babtism soon."
bekam ich zur Antwort und dann dämmerte es auch schon
bei mir,
weshalb sie zuvor Blumen an einem silbernen Riesenpokal auf Rädern mit
arangiert hatte.
Hier wird eine Taufe gefeiert. Für das Taufkind waren
zuletzt zwei komplette
Anzüge für verschiedene Altersstufen (geschätzt 3 und 5 Jahre)
und ein
Haufen Krimskrams aufgebaut von Handtüchern, Kopfkissen bis zum Trolley...
Der Weg zum Hafen war recht lang, was mir angesichts von
Knieproblemen etwas zu schaffen machte.
Trotzdem wollte ich hin.
Neben dem Haufen kleiner Boote - OK Jachten - gab es das dann auch noch einige Nummern größer.
Die Fähre im Hintergrund legt die Strecke Iraklio - Athen (ca. 350 km) in 9 Stunden zurück.
Die Festung im Hafen von Iraklio ließen die venezianischen
Herrscher in den Jahren von 1523 bis 1540 errichten.
Ihr ursprünglicher Name lautete "Rocca al Mare", Felsen am Meer.
Der heutige Name Koules stammt von dem Türkischen Wort "kale"
für "Festung".
Am Hafen findet man noch ein weiteres Relikt aus der Zeit
der venezianischen Herrschaft, die "Neori Vechi".
In diesen Hallen baute und reparierte man Schiffe, es waren also, wie man heute
sagen würde, Werften.
Wir sollten umkehren und zurück zum Bus marschieren, schade, es gäbe noch so viel zu entdecken hier.
Am ausgemachten Treffpunkt ist nun doch noch etwas Zeit und
an der Bastion gegenüber dem Museum
steht eine Statue von Eleftherios Venizelos, das hat mir mein Tablet verraten.
Schon cool, wenn man
jederzeit weiß, wo man sich befindet und was es rundherum zu sehen gibt.
Unterwegs komme ich an diesem Ding vorbei und weiß sofort:
das ist zeitgenössische kretische Kunst und steht vielleicht
in 2000 Jahren mal in irgend einem Museum.
Ein kurzes Stück weiter treffe ich erneut auf ein seltsames
Objekt. Wozu haben die alten Minoer das denn nur benutzt?
Jetzt aber schnell zum Bus!
Nach einem langen Tag freuen wir uns nun auf unser Hotel
und hoffen, dass die Lage
ruhiger sein wird wie in Rethymno.